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„Das Engagement der Anderen treibt auch mich an.“

Ines Vorsatz, Fach- und Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie Stadt Chemnitz

Im Gespräch gab uns Ines Vorsatz Auskunft über ihren Werdegang, ihre bisherigen Projekte und ihre Pläne für die Partnerschaft für Demokratie Stadt Chemnitz.


Portrait Ines Vorsatz, Bildnachweis: Privat
Portrait Ines Vorsatz, Bildnachweis: Privat

Bitte stellen Sie sich kurz vor und beschreiben Sie Ihre Funktion/Rolle in der Partnerschaft für Demokratie Chemnitz.

Mein Name ist Ines Vorsatz. Ich bin seit 1991 in der Stadtverwaltung Chemnitz beschäftigt. Seit 2009 bin ich mit der Aufgabe betraut, die Demokratiearbeit in Chemnitz zu koordinieren. Die Koordinierungsstelle zur Umsetzung des Lokalen Aktionsplans für Demokratie, Toleranz und für ein weltoffenes Chemnitz  ist gleichzeitig Geschäftsstelle für den Kriminalpräventiven Rat der Stadt Chemnitz und interne Koordinierungsstelle für die Umsetzung der Partnerschaft für Demokratie.

Wie sind Sie zu Ihrer Tätigkeit gekommen? Waren Sie bereits vorher im Themenfeld aktiv? Gab es für Sie ein prägendes Ereignis?

Die Stelle als Koordinatorin war innerhalb der Verwaltung ausgeschrieben. Ich habe mich beworben, weil ich ehrenamtlich bereits aktiv war. Dass sich die Verwaltung dafür einsetzt, demokratische Werte zu vermitteln und präventiv etwas gegen ideologisierte Gewalt zu unternehmen, fand ich spannend.

 

Ein prägendes Ereignis war für mich die friedliche Revolution 1989 in der DDR. Ich bin bewusst für Meinungsfreiheit und Demokratie auf die Straße  gegangen und war aktiv in einer Bürgerbewegung. Dass diese Errungenschaften heute wieder gefährdet sind, trägt dazu bei, dass ich mich weiterhin engagiere.

Welche Pläne haben Sie für 2017 in der Partnerschaft für Demokratie in Chemnitz? Wo wollen Sie die Schwerpunkte setzen?

Seit 2008 unterstützt die Stadtverwaltung Chemnitz Initiativen, die sich für Toleranz, friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen und Lebensweisen, gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit einsetzen. Die Priorität lag bisher darin, Akteurinnen und Akteure zu finden und zu vernetzen, die sich für Demokratie und ein friedliches Miteinander engagieren. Der derzeitige Wandel der Stadtgesellschaft und des öffentlichen Lebens erzeugt bei Teilen der Bevölkerung Verunsicherung, Angst und Abwehr. Dies hat auch in der Zivilgesellschaft Spuren hinterlassen, so dass es wichtiger denn je ist, seitens der Verwaltung demokratisches Engagement zu fördern.

 

Im Jahr 2017 liegt der Schwerpunkt deshalb auf der Unterstützung von Ideen, Projekten, Aktionen und engagierten Menschen, die inzwischen verstärkt selbst aktiv werden. Es wird ein Jahr der Unterstützung und Stärkung all derer, die sich mit Herz, Verstand und Zivilcourage für demokratische Werte und gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Gewalt einsetzen.

Was treibt Sie persönlich in Ihrer Arbeit an? Was motiviert Sie an Ihrer Tätigkeit besonders? Hatten Sie bei Ihrer Tätigkeit besondere Erfolgserlebnisse?

Etwas gemeinsam bewegen zu können treibt auch mich an. Wir können auf ein Netzwerk aufbauen, in dem viele Ihre  Ressourcen auch anderen zur Verfügung stellen. Es ist inzwischen klar, dass Demokratieförderung nur im Verbund funktioniert. Natürlich unter der Voraussetzung, dass die individuelle Idee erhalten bleibt. Es ist schön, wenn diese Ideen an Gestalt gewinnen und am Ende ein gutes Projekt entsteht. Menschen zu erreichen und zu verbinden, die die gleichen Ziele haben, ist etwas Besonderes an dieser Arbeit. Erfolg bedeutet für mich, dass sich viele beteiligen, weil sie es wichtig finden.

 

Ein besonderes Erlebnis war, als ein Soziokulturelles Zentrum für eine Woche in ein imaginäres Flucht- und Asylzentrum verwandelt wurde. Mit Geflüchteten, Jugendlichen und Freiwilligen entstand ein fiktiver Parcours. Basis war die Schubumkehr in Form einer Flucht aus Deutschland. Ein komplettes Szenario wurde gestaltet. Beginnend mit Flucht, Versteck, Aufnahmelager, Verwaltungsverfahren, Testbögen und Aufnahmeprozedere. Wir hatten innerhalb von 5 Tagen über 500 Teilnehmende, die nachhaltig beeindruckt waren. Natürlich kann man Fluchtgeschichten anderer nicht nachempfinden, aber wir konnten zumindest einige Aspekte vermitteln und so emotional berühren. Dass es möglich war, komplexe Problemlagen empathisch zu vermitteln, war für mich ein beeindruckendes Erfolgserlebnis.

Worin sehen Sie persönlich die größte Herausforderung bei Ihrer Tätigkeit?

Die größte Herausforderung ist die Scharnierfunktion einer verwaltungsinternen Koordinierungsstelle für Demokratieförderung zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft. Das, was wir tun, hat politische Relevanz und steht deshalb auch besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Wir verwalten Steuergelder. Die Erwartung ist, dass wir das mit besonderer Sorgfalt tun. Es ist eine Arbeit, die neben viel Verwaltungsaufwand täglich neue Herausforderungen schafft und damit Veränderungsbereitschaft fordert. Genau das finde ich spannend.

Wenn Sie aus Ihren Erfahrungen in der Partnerschaft für Demokratie in Chemnitz schöpfen – welche Tipps würden Sie anderen Partnerschaften für Demokratie für deren Arbeit mit auf den Weg geben?

Es ist wichtig, den Weg nicht allein zu gehen, auch wenn man Einzelkämpfer  ist. Man sollte gute Hilfsstrukturen aufbauen, mit Menschen gemeinsam arbeiten, die die gleichen Ziele verfolgen und sich fachlich Unterstützung holen. Dafür bietet ja auch das Förderprogramm „Demokratie leben!“ sehr gute Rahmenbedingungen.

 

Wichtig ist, wertschätzend und respektvoll miteinander umzugehen, auch wenn man nicht einer Meinung ist. Viel Zeit in gute Vorbereitung zu stecken, zahlt sich mit guter Qualität in der Projektarbeit aus. Eine Vision zu haben, in welcher Gesellschaft man selbst leben möchte, hilft dabei, eigene Ziele zu formulieren. Quer denken, den Fokus weiter zu setzen und Anregungen von außen aufzunehmen ist bereichernd. Es ist wichtig, sich ständig weiter zu entwickeln und mit verschiedenen Generationen im Kontakt zu bleiben.