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Interessenbekundungsverfahren für den Förderbereich „Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger“

Aufruf zur Interessenbekundung
im Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“
im Programmbereich: „Strukturförderung zum bundeszentralen Träger“

I. Gegenstand der Interessensbekundung

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend strebt die Förderung der Arbeit von gemeinnützigen Trägern an, die sich im Bereich des Aufbaus und der Stärkung von bundeszentralen Aufgaben in der Arbeit für Demokratie und Vielfalt und gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit engagieren. Wichtige nichtstaatliche Organisationen sollen in ihrer Arbeit, in ihrer Professionalisierung und der Weiterentwicklung ihrer Bundeszentralität im jeweiligen Themen- und Strukturfeld unterstützt und langfristig als Kooperationspartner gestärkt werden. Des Weiteren soll eine bessere Vernetzung dieser Träger im Sinne der Zielsetzungen des Programms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ erfolgen.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend schreibt daher die Förderung zur Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger in einem der genannten Themen- und Strukturfelder (Programmbereich C des Bundesprogramms) aus:

1) Prävention islamistischer bzw. religiös motivierter Radikalisierung
2) Prävention von Islam- und Muslimfeindlichkeit sowie Empowerment von Betroffenen
3) Rassismusprävention sowie Empowerment Schwarzer Menschen
4) Radikalisierungsprävention im Sport
5) Bundesfachstelle Linke Militanz
6) Förderung von Engagement für Vielfalt in Unternehmen
7) Akzeptanzförderung und Empowerment für lesbische, schwule, bi- und intersexuelle bzw. -geschlechtliche Menschen und ihre Angehörigen
8) Radikalisierungsprävention und Engagement für Naturschutz

Eine nähere Beschreibung der Themen- und Strukturfelder, die bei der Interessenbekundung unbedingt zu berücksichtigen sind, findet sich unter Punkt IV am Ende.

II. Zielstellung der ausgeschriebenen Förderung

Das Bundesministerium will im Dialog mit ausgewählten Trägern bis 2019

  • neue, aktuelle Herausforderungen im Gegenstandsbereich der ausgeschriebenen Themen- und Strukturfelder identifizieren und bearbeiten;
  • bundesweit eine fachliche Unterstützung (u. a. der Demokratiezentren und lokaler Akteurinnen und Akteure in den „Partnerschaften für Demokratie“) gewährleisten und
  • erfolgreiche Arbeitsansätze weiterentwickeln und Voraussetzungen für eine Übertragung in Regelangebote der Kinder- und Jugendhilfe schaffen.

Die Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger im spezifischen Themen- und Strukturfeld kann insbesondere durch folgende Maßnahmen erfolgen:

  • Initiierung von Fachdebatten auf Bundes-, europäischer und internationaler Ebene;
  • Fort- und Weiterbildung von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Unterstützung von Professionalisierungsprozessen im Praxisfeld;
  • Kooperation mit der Fachkräfteausbildung (Schule, Ausbildung, Hochschule, Forschung);
  • Übernahme einer Mittlerfunktion zwischen Bundespolitik, regionalen und lokalen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Trägerstrukturen, jugendpolitischen Akteurinnen und Akteuren und der Berücksichtigung landesspezifischer Kontexte;
  • Durchführung von Fachveranstaltungen, Aktionen und Projekten mit bundesweiter oder internationaler Bedeutung;
  • Herausgabe von Informationen, Arbeitshilfen sowie anderer Medien und Informationsmaterialien, die in der pädagogischen Praxis Verwendung finden sollten sowie fachliche und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit;
  • Aufbau und Pflege von partnerschaftlichen themenbezogenen, bundesweiten Netzwerken unterschiedlicher Akteurinnen und Akteure aus dem eigenen Arbeitsfeld, der Kinder- und Jugendhilfe, Verbänden und staatlichen Institutionen;
  • Kooperation und Vernetzung mit Trägern aus dem Arbeitsfeld im nationalen und internationalen Rahmen;
  • Unterstützung bei der Schaffung, Erhaltung und Verbesserung von Angeboten entsprechend der Zielsetzungen des Programms.

III. Fördervoraussetzungen

Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ ist die Förderung von Projekten mit einer mehrjährigen Laufzeit möglich. Die Laufzeit ist bis zum 31. Dezember 2019 begrenzt. Die maximale Zuwendung aus Bundesmitteln beträgt bis zu 300.000 Euro pro Kalenderjahr (Die Förderhöchstsumme im Jahr 2017 beträgt aufgrund des verkürzten Förderzeitraumes lediglich  200.000 Euro). Es bestehen kein Förderanspruch und kein Anspruch auf Förderung in einer bestimmten Höhe.

Die Gewährung einer Zuwendung setzt grundsätzlich den Einsatz von Eigen- bzw. Drittmitteln in Höhe von mindestens 15 Prozent voraus. Zur Ko-Finanzierung können Eigenmittel der Träger, Mittel der Kommunen und der Länder, weitere Drittmittel (z.B. von Stiftungen), EU-Mittel oder sonstige Einnahmen herangezogen werden.

Der Träger muss eine ausgewiesene Fachexpertise in dem Themen- und Strukturfeld nachweisen.

Des Weiteren wird auf die Förderleitlinie für den Programmbereich C: Förderung der Strukturentwicklung zum bundeszentralen Träger (2017) verwiesen.

IV. Verlauf Interessenbekundungs- und -bewertungsverfahren

Ab dem 30. Januar 2017 steht das zu verwendende Formular für die Interessenbekundung auf der Programm-Webseite www.demokratie-leben.de zur Verfügung.

Die Teilnahmefrist endet am 10. März 2017.

Die Interessenbekundung ist im PDF-Formular auszufüllen und elektronisch sowie postalisch in Papierform und rechtsverbindlich unterschrieben mit den erforderlichen Anlagen zu übersenden. Es gilt der der Posteingang bis zum 10.03.2017.

Folgende Anlagen sind der rechtsverbindlich unterschriebenen Interessenbekundung beizufügen:

  • min. drei fachliche befürwortende Stellungnahmen verschiedener Behörden unterschiedlicher Bundesländer zur bisherigen Arbeit und zur fachlichen Eignung (bei Dachverbänden sind entsprechende Stellungnahmen zur Arbeit der Mitgliedsorganisationen vorzulegen)
  • Nachweis der Erfüllung der Förderbedingungen (entsprechend Nr. 4.2 der Leitlinie zum Programmbereich "Förderung und Strukturentwicklung bundeszentraler Träger":

    • Satzung/ Gesellschaftervertrag - Nachweis der Eintragung ins Vereins-/ Handelsregister
    • Verzeichnis der Vorstandsmitglieder - Nachweis der Gemeinnützigkeit bzw. Nachweis zur Stellung eines Antrags auf Anerkennung der Gemeinnützigkeit
    • Anerkennung als freier Träger der Jugendhilfe oder Nachweis der Beantragung

  • Darstellung von min. drei (max. fünf) bisherigen wichtigen Projekten hinsichtlich der Thematik des Bundesprogramms (s. Abschnitt 4.3 der Leitlinie); formlos max. 3.500 Zeichen pro Projekt. Bei Überschreitung der Projektanzahl oder Zeichenzahl werden nur die ersten fünf Projekte und nur die jeweils ersten 3.500 Zeichen berücksichtigt
  • Sofern vorhanden, Evaluationsberichte bisheriger Aktivitäten.

Eine erste Bewertung und Prüfung der Erfüllung formeller Kriterien erfolgt durch die Regiestelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Neben der fachlich-inhaltlichen Prüfung erfolgt eine Bewertung entlang der Förderkriterien, die in der Förderleitlinie für den Programmbereich C (s.o.) aufgeführt sind. Nach einem punktebasierten Auswahlverfahren und der finalen Entscheidung werden die Teilnehmenden, deren Interessenbekundung zur Förderung ausgewählt wurde, zeitnah zur Stellung eines Förderantrages aufgefordert. Teilnehmende, deren Projektvorschlag keine Berücksichtigung finden konnte, werden zeitnah informiert.

Für Fragen und Beratung zur Interessenbekundung steht Ihnen die Regiestelle des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ wie folgt zur Verfügung:

Sprechzeiten: Mo – Fr, 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr

Kontakt: Frau Nina Conrad
E-Mail: nina.conrad(at)bafza.bund.de
Tel: 0357737399-118

Kontakt: Herr Dirk Kühnemann
E-Mail: dirk.kuehnemann(at)bafza.bund.de
Tel: 0357737399-128

Kontakt: Herr Dr. Christoph Wowtscherk
E-Mail: christoph.wowtscherk(at)bafza.bund.de
Tel: 0357737399-124

Die Unterlagen zur Interessenbekundung sind einzureichen bei:

Regiestelle „Demokratie leben!“
Spremberger Straße 31
02959 Schleife

V. Gegenstand der Themen- und Strukturfelder

1) Prävention islamistischer bzw. religiös motivierter Radikalisierung

Die Förderung zur Strukturentwicklung eines bundeszentralen Trägers im Themenfeld „Prävention islamistischer bzw. religiös motivierter Radikalisierung“ fokussiert auf die Zugangserschließung zu Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Affinitäten zu islamistischen Ideologien und/oder Akteurinnen und Akteuren sowie auf die Weiterentwicklung von modellhaften pädagogischen Angeboten zur Auseinandersetzung mit religiös begründeter Demokratiefeindlichkeit, Abwertung von Andersgläubigen und religiös begründeter Gewaltakzeptanz/(ideologisierter) Gewalt bei jungen Musliminnen und Muslimen. Die pädagogische Praxis in diesem Themenfeld steht vor der Herausforderung, das Verhältnis zwischen legitimer Religionsausübung und religiös begründeter Radikalisierung sensibel auszuloten. Gleichzeitig können Äußerungen religiös begründeter Demokratiefeindlichkeit und Abwertung von Andersgläubigen auch Protestverhalten ausdrücken und gezielte Provokation (z.B. in Reaktion auf wahrgenommene Zuschreibungen durch mehrheitsgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure) darstellen. Diese und weitere Herausforderungen sind in der präventiv-pädagogischen Arbeit zu berücksichtigen. Der Träger sollte fachliche Standards für die Präventionsarbeit im Themenfeld entwickeln, aktuelle Diskurse und wissenschaftliche Erkenntnisse in seiner Arbeit aufnehmen und in Fachdiskurse einspeisen.

2) Prävention von Islam- und Muslimfeindlichkeit sowie Empowerment von Betroffenen

Islam- und Muslimfeindlichkeit beschreibt eine Ablehnung von Menschen aufgrund einer tatsächlichen oder zugeschriebenen Religionszugehörigkeit zum Islam. Es ist notwendig, Strukturen, Strategien und Maßnahmen zur Prävention islamfeindlicher Einstellungen und Handlungen zu  entwickeln, bei denen neben der Religion auch die Faktoren Kultur und Ethnizität eine Rolle spielen oder aber in ethnisierender Form thematisiert werden. Dabei gilt es, Rassismus und Kulturalismus und Diskriminierung auch intersektional zu betrachten sowie inter- und soziokulturelle Aspekte zu beachten. Gleichzeitig soll der Träger die Handlungskompetenz von Betroffenen im Umgang mit Islam- und Muslimfeindlichkeit zu stärken. Ziel ist es, Problemlagen in diesem Themenfeld zu bearbeiten, Expertise zu präventiv-pädagogischen Ansätzen zur Verfügung zu stellen und in die Regelstrukturen einzuspeisen.

3) Rassismusprävention sowie Empowerment Schwarzer Menschen

Rassismus beruht auf einer Ideologie der Ungleichwertigkeit, die zum Ziel oder zur Folge hat, dass die Ausübung gleicher Rechte und der gleiche Zugang zu Ressourcen beeinträchtigt werden. Es soll ein Träger gefördert werden, der die Handlungskompetenz von Institutionen und Bildungseinrichtungen als auch individuell Betroffener im Umgang mit rassistischer Diskriminierung stärkt und das Bewusstsein über Rassismus als gesellschaftliches Problem sowie dessen Auswirkung auf die Betroffenenweckt. Adressiert werden sollen Formen unmittelbarer als auch mittelbarer und intersektionaler Diskriminierung sowie die aktuellen Herausforderungen (z.B. im Zuge von Flucht und Asyl). Darüber hinaus soll der Träger das Empowerment von  betroffenen Schwarzen Menschen fördern.

4) Radikalisierungsprävention im Sport

Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklung, verbunden mit der gesellschaftlichen Bedeutung des Sports für Jugendliche und junge Erwachsene und der Dynamik im Arbeitsfeld ergeben sich drängende Herausforderungen für eine dauerhafte Stärkung der Radikalisierungsprävention im Sport. Ziel ist es die Fachexpertise im Umgang mit Radikalisierung und Menschenfeindlichkeit in den Fachsportverbänden zu erweitern, die Auseinandersetzung mit Themen wie Rassismus, Antisemitismus, Islam- und Muslimfeindlichkeit und anderen voranzutreiben und bestehende Projekte und Akteure bundesweit miteinander zu vernetzen.

5) Bundesfachstelle Linke Militanz

Die Förderung einer „Bundesfachstelle Linke Militanz“ richtet sich auf die Erprobung unterschiedlicher Wege der Zugangserschließung zu linken, militanzaffinen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in entsprechenden Risikokontexten sowie auf die Entwicklung jeweils jugend- und zielgruppenadäquater, modellhafter pädagogischer Angebote. Formen linker Militanz existieren in unterschiedlichen Bereichen oder als jugendkulturelle Ausdrucksform. Die Ursachen von Militanz können dabei ein Ausdruck von radikaler Systemopposition und Demokratiefeindschaft, die Folge eskalierender Konflikte zwischen politischen Gruppen, die Folge eines situativ eskalierenden Protestgeschehen auf Demonstrationen, oder auch – losgelöst von politischen Zielen – ein Attraktivitätsmoment für die Teilnahme an Protestereignissen sein. Diese heterogenen Ausprägungen sollen bei der Entwicklung der Arbeit einer Bundesfachstelle berücksichtigt werden.

6) Förderung von Engagement für Vielfalt in Unternehmen

Unternehmen, insbesondere Kleine und Mittlere Unternehmen, die noch wenig Erfahrungen im Diversity-Management haben und sich im Bereich Vielfalt und Antidiskriminierung engagieren wollen, sollen in ihrem Engagement für Vielfalt unterstützt werden. Der Träger soll Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Vielfalt erarbeiten und damit die Chancen vor allem von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Arbeitswelt, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Herkunft oder Religion gleichwertig eröffnen.

7) Akzeptanzförderung und Empowerment für lesbische, schwule, bi- und interse-xuelle bzw. -geschlechtliche Menschen und ihre Angehörigen

Die Diskriminierung von vor allem lesbischen, schwulen, bi- und intersexuellen bzw. -geschlechtlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigt sich in der Stigmatisierung und Ablehnung von Menschen aufgrund ihrer gleichgeschlechtlichen Lebensweise oder Geschlechtsidentität. Der Träger soll Strategien und Maßnahmen entwickeln, die zur Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebensweisen und Akzeptanz der Vielfalt der Geschlechter / Geschlechtsidentität beitragen, Vorurteile gegen diese Gruppen abbauen helfen für Akzeptanz einer Vielfalt von sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität werben. Dabei gilt es auch, Aspekte der Mehrfachdiskriminierung (Intersektionalität) zu beachten und in der Arbeit zu berücksichtigen. Die erprobten Maßnahmen sollen nachhaltig in Regelstrukturen verankert werden.

8) Radikalisierungsprävention und Engagement für Naturschutz

Das Engagement für eine nachhaltige Umwelt und Naturschutz wird zunehmend von Rechtsextremen instrumentalisiert, um ein vermeintliches völkisches Lebens- und Gesellschaftsbild zu begründen. Damit wird das Thema Naturschutz instrumentalisiert, um Jugendliche zu vereinnahmen. Mit der gezielten Strukturentwicklung eines Trägers zum bundeszentralen Träger sollen dessen Strategien und Ansätze weiter entwickelt und bereitgestellt werden, um Jugendliche und Jugendliche und junge Erwachsene die sich für  Nachhaltigkeit und Naturschutz einsetzen wollen, für rechtsextreme Positionen in derartigen Organisationen zu sensibilisieren. Durch den Träger sollen Ziele und Strategien formuliert werden, um die gesellschaftliche Vielfalt in der Arbeit für Naturschutz zu fördern und pädagogische Maßnahmen zur Prävention von Rechtsextremismus im Engagement für Naturschutz und Umwelt sollen umgesetzt und nachhaltig verankert werden.